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Videoschnitt

Filmmontage bezeichnet das Zusammenfügen von Einstellungen, Szenen und Sequenzen zu einer erzählerischen Einheit.

Im Schnitt oder der Montage entsteht der eigentlich Flim. Die verschiedenen Bausteine eines Flims werden in der endgültigen Abfolge aneinder montiert.

Schnittformen

Schnitt:

Die Bezeichnung Schnitt betrifft die eher handwerkliche Tätigkeit im Schneideraum, sie hat sich aus dem Arbeitsprozess des Auseinanderschneidens und Kürzen einzelner Einstellungen entwickelt.

 

Montage:

Spricht man von Montage, so geht es in erster Linie um den Inhalt und die Gestaltung. Während Schnitt eher das Aussondern und Kürzen des Materials betont, verweist die Bezeichnung Montage auf das Zusammenfügen der Einstellungen. Es ist das Konzept gemeint, nach dem dies geschieht.

 

Kriterien:

Wie jede Gestaltung muss auch jeder Schnitt, jede Überblendung und jeder von Ihnen eingesetzte Effekt motiviert und begründet sein. Die Schnittfolge muss die Handlung des Films weiterbringen und das Interesse des Zuschauers erhalten oder noch besser: steigern. Einstellungsgrößen und -längen sollten variiert werden. Allgemein erzeugen schnelle Schnittfolgen Spannung und Emotionen, lange Schnittfolgen wirken ruhig und sachlich

 

Im Schnitt sollen die Einstellungen so miteinander kombiniert werden, dass sie inhaltlich und optisch als zusammengehörig wahrgenommen werden.

vorhandene Bildmaterial sollte im Schnitt möglichst logisch und folgerichtig geordnet werden

jeder Schnitt sollte motiviert sein z.B. Anlässe für einen Schnitt können Bildimpulse sein, Tonimpulse im Text oder auf Geräuschebene)

ähnliche Bilder, die man aneinander schneidet, irritieren den Betrachter (kann aber auch als Stilmittel verwendet werden siehe Jump Cut)

ein Schnitt sollte ein eindeutig neues Bildangebot schaffen

unterschiedliche Kamerabewegungen sollte man im Schnitt nicht direkt aneinander setzen

durch einen Tempowechsel beim Schnitt kann die Aufmerksamkeit des Publikums gesteigert werden

bei erzählenden Darstellungen signalisiert die Blende Zeit- und Ortswechsel

mit Effektblenden sollte man äußerst sparsam und bewusst umgehen

 

Arbeitsablauf beim Schnitt:

- Material sichten

- unbrauchbare Aufnahmen ausmustern/ entfernen z.B. unscharfe, ablenkende oder verwirrende Aufnahmen

- gelungene und für das Projekt in Frage kommende Aufnahmen kennzeichnen

- digitalisieren des Materials in das Schnittsystem

- Rohschnitt *

- Feinschnitt**

- einfügen von Blenden

 

* Beim Rohschnitt wird die erste Auswahl und Anordnung des gedrehten Filmmaterials bezeichnet und festgelegt.

** Beim Feinschnitt werden die in ihrer Reihenfolge bereits festgelegten Einstellungen auf ihre endgültige Länge gebracht.

 

Motivierter Schnitt = Jeder Schnitt sollte einen Grund haben. Die Motivation kann durch die Bild- und Tonebene begründet sein. Man spricht hier auch von Bildimpulsen und Tonimpulsen.

Beispiel: Ein Mann zeigt auf etwas und es ist nur ein klingelndes Telefon zu hören. Hier sollte idealerweise der nächste Schnitt zu dem Telefon führen.

 

Irritierende Schnitte = Schnitte irritieren, wenn die Kontinuität der Darstellung nicht gewahrt wird. Wenn 2 aufeinander folgende Einstellungen keinen logischen oder optischen Zusammenhang aufweisen, spricht man auch von einem Anschlussfehler

Beispiel: Aufgabe ist 6 kurze Statements einer Straßenumfrage aneinander zu schneiden, dann sollte das Bildmaterial in Bezug auf den Abbildungsmaßstand der Person auf ihre Positionierung innerhalb des Bildrahmens und ihre Blickrichtung möglichst abwechselnd gestaltet sein.

 

Jump Cut = Schnitte, die einen Sprung des Motivs innerhalb des Bildrahmens erzeugen

Match Cut = bezeichnet eine Schnittfolge, bei der 2 auffällig ähnliche Bildinhalte aufeinander folgen, die zeitlich oder räumlich auseinanderliegen

Insert Schnitt = zeigen erläuternde Groß-oder Dateilaufnahmen

Diffuser Schnitt = immer dann, wenn eine Einstellung kein konkretes Blickzentrum (mehr) aufweist

 

Inhaltliche Montageformen

Erzählende Montage: Die einzelnen Stadien eines längeren Prozesses werden exemplarisch gezeigt.

Analysierende Montage: Darstellung von Ursache und Wirkung.

Intellektuelle Montage: Ideen und Begriffe werden visuell übersetzt.

Kontrast-Montage: z.B. Hunger - Essen

Analogie-Montage: z.B. Schafherde und Fabrikeinheiten in modernen Zeiten.

Parallel-Montage: Zwei Handlungsstränge laufen parallel nebeneinander her und werden ständig wechselnd geschnitten, z.B. eine Verfolgungsjagd. Die Stränge werden am Ende zusammengeführt, beide Stränge wissen meist von Anfang an voneinander.

Parallelisierende Montage: Die beiden Handlungsstränge sind wie bei der Parallel-Montage zeitgleich, sie wissen aber nichts voneinander und müssen sich nicht treffen.

Metaphorische Montage: Im Bereich der Handlung angesiedelte oder fremde Metapher.

 

Wahrnehmungsästhetische Schnittform

Harte Montage/harte Schnitte: Krass aufeinander folgend, Brüche, wechselnde Bewegungsrichtung.

Weiche Montage/weiche Schnitte: Harmonisch, kaum wahrnehmbare Übergänge.

Rhythmische Montage: Der Schnittrhythmus wird durch die Filmmusik bestimmt - die Filmmusik orientiert sich am Bilderrhythmus.

Springende Montage: Nicht harmonisch, zerfällt in einzelne Einstellungen, Aufzählung, harte Brüche.

Schockmontage: Zwei aufeinander folgende Einstellungen haben scheinbar keine Verbindung, bewusste Desorientierung des Zuschauers.

 

Schnitttechniken

Überblende

Filmschnitttechnik, die im Gegensatz zum harten Schnitt steht. Hierbei wird das alte Bild langsam ausgeblendet und das neue Bild gleichzeitig eingeblendet. Dadurch entsteht ein fließender Übergang zwischen beiden, was häufig verwendet wird, um zwei zeitlich oder räumlich weit voneinander entfernte Szenen zu suggerieren.

 

Wischblende

Filmschnitttechnik, bei der das alte Bild vom neuen Bild kontinuierlich überblendet bzw. ersetzt wird. Dies kann in vielfacher Art geschehen, z.B. auch horizontal, vertikal, diagonal, sternförmig oder im Uhrzeigersinn. Diese Schnitttechnik wird verwendet, um eine gleichzeitige Handlung an verschiedenen Orten darzustellen. Diese Technik wird in modernen Filmen nur noch selten verwendet, am bekanntesten dürfte die Verwendung von Wischblenden in den Filmen der Star-Wars-Reihe sein.

 

Akustische Klammer

Einstellungen oder Szenen werden durch filmischen Ton unterstützt. In den meisten Fällen wird dies durch den Soundtrack oder andere musikalische Beiträge bewerkstelligt. Oft wird aber auf das Stilmittel der vorgezogenen Soundeffekte und Dialoge verwendet. Das heißt, man hört z.B. schon eine Person reden, obwohl sich erst im Szenenwechsel klärt, dass dies zu einem späteren Zeitpunkt oder an einem anderen Ort geschieht.

Gängig ist auch der umgekehrte Weg, um beispielsweise von der Planung einer Aktion zu deren Durchführung zu schneiden, während die Tonspur mit der Erläuterung des Plans fortfährt.

 

Einstellungsgrößen

Unter Einstellungsgrößen bezeichnet man das Größenverhältnis des abgebildeten Objekts zum Bildfeld. Es handelt sich um verschiedene zueinander in Beziehung stehende Bildausschnitte. Sie sind ein wichtiges Mittel des bildlichen Erzählens und können psychologische Akzente setzen. Sie werden in der Regel in einem Storyboard definiert.

 

Jede Einstellungsform eignet sich für bestimmte Zwecke besonders gut. Eine wichtige Informationsquelle ist aber der Wechsel der Einstellungen. An ihr lassen sich stilistische Merkmale und auch die Handschrift des Regisseurs erkennen. Auch verschiedene Filmtraditionen und -kulturen verwenden traditionell sehr unterschiedliche Wechsel in den Einstellungen.

Actionfilme oder Dokumentarfilme weisen oft einen hohen Anteil an long shots auf, weil für diese Filme Mimik und nonverbale Ausdrucksformen weniger wichtig sind, sondern gesamte Vorgänge eingefangen werden. Die erforderlichen schauspielerischen Leistungen sind bei diesen Filmtypen vergleichsweise gering. Auch quasidokumentarische Filme enthalten oft viele totale Einstellungen und verraten hiermit ihre Herkunft aus dem Dokumentarfilm. Filme, die Beziehungen der Figuren und das Gefühl in den Vordergrund stellen, enthalten viele close-ups.

 

Die wichtigsten Einstellungen sind:

Totale (long shot)

Halbtotale (medium long shot)

Amerikanische Einstellung (american shot)

Halbnahaufnahme (medium close- up)

Nahaufnahme (close-up)

Großaufnahme (very close-up)

Detailaufnahme (extreme close-up)

 

Totale - long shot

Mit der Totalen wird dem Betrachter ein Überblick/Orientierung geboten. Er wird in die Thematik der Szene eingeführt.

 

Halbtotale - medium long shot

Es wird ein beschränkter Ausschnitt der Totalen gezeigt. So wird der Blick des Betrachters auf das bildwichtige Motiv gelenkt.

 

Amerikanische Einstellung - american shot

Es handelt sich um eine in Western häufig eingesetzte Einstellungsgröße. Beim Duell sehen wir einen Revolverhelden mit seinem Colt vom Knie an aufwärts im Vordergrund, sein Gegner steht leicht seitlich versetzt im Bildmittelgrund.

 

Halbaufnahme - medium close-up

Es werden erste Details gezeigt, z.B. die obere Körperhälfte einer Person.

 

Nahaufnahme - close-up

Es werden weitere Details des Motivs gezeigt. Für den Betrachter gehen der Überblick und die Möglichkeit zur Einordnung in die Umgebung verloren.

 

 

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