Typografie-Community

Konzept für den Aufbau einer Typografie-Community im Rahmen der mediencommunity 2.0 (von Peter Reichard, Typosition)


1.Ausgangssituation
Es gibt mehrere deutschsprachige Blogs oder Plattformen für Typografie, zudem auch innerhalb von Mediengestalterforum.info eine Sektion zum Thema existiert. Hinzu kommen noch andere Plattformen, die sich nicht rein mit dem Thema Typografie beschäftigen, aber am Rande immer wieder darauf zurückkommen. Braucht man da noch eine weitere Plattform? Ja, und zwar aus mehreren Gründen:

1. Viele Blogs und Plattformen sind eher von Experten geprägt, für Neueinsteiger eher verwirrend und wenig motivierend, sich selbst zu beteiligen.

2. Um alle wichtige Informationen (Grundlagen, Trends um Typografie, Schriften etc.) zu bekommen, benötigt man derzeit mehrere Anlaufstellen.

3. Keine Plattform bietet Tipps und Informationen für und von Dozenten, Lehrern und Ausbildern, wie man Typografie vermitteln kann.

2. Schlussfolgerung für die MC 2.0
Ohne in direkte Konkurrenz zu bestehenden Angeboten zu treten, wäre es eine Möglichkeit, die Typo-Community innerhalb der MC 2.0 so aufzubauen, dass ein Schwerpunkt darauf liegt, insbesondere Neueinsteiger anzusprechen, ihnen die Angst vor dem Thema zu nehmen und Inhalte verständlich zu vermitteln. Aber auch sich selbst einzubringen und dabei wieder Neues zu lernen.

Der zweite Schwerpunkt wäre eine Plattform für Dozenten etc. zu schaffen, um den Austausch von Unterrichtskonzepten, Ideen etc. zu unterstützen (vermutlich besser als geschlossene Gruppe?).

Einige Themen
Die Themenvielfalt ist recht groß, ausgesucht haben wir einige Themen bzw. ständige Rubriken des Blogs, die sich an Fragestellungen von Auszubildenden orientieren.

1. Wie kann man die DIN-Schriftklassifikation lernen und vor allem verstehen, unabhängig von einer notwendigen Debatte über eine Neustrukturierung.

2. Detail- und Mikotypografie - wirkliches Verständnis schaffen

3. Warum es wichtig ist, sich überhaupt mit Typografie zu beschäftigen

4. Kriterien für die Qualität einer Schrift
- Voraussetzung ist es, Schriften überhaupt zu kennen ==> Schriftportraits
- Was macht gute Schriften aus, auch gute Freefonts
- Warum kosten Schriften Geld
- Schriftmischung/Schriftwirkung
- Ausbau/Schriftsysteme

5. Typografie und Veredelung sowie Schrift im Druckprozess

6. Kommentierte Linkliste zum Thema

7. Vorher/nachher: Berichte über Überarbeitung von Corporate Designs/Logos, bei denen Schrift eine große Rolle spielt

8. Allgemeine Branchennews, Veranstaltungstipps, Produkttipps etc.

9. Videocasts zu Vorträgen über typografische Themen mit Diskussionsmöglichkeit (u.a. in Zusammenarbeit mit comedia (Schweizer Mediengewerkschaft)


3. Weitere Ideen, die den Mitmach-Effekt erhöhen
- Wenn es ein Forum gibt, sollte die persönliche und nicht-anonyme Anmeldung sowie eine Vorstellung Pflicht sein, lieber weniger, aber aktive Mitglieder als eine Situation beim ZFA Forum, wo es zwar über 11.000 Nutzer gibt, aber die allermeisten nur kurze Zeit online und nicht aktiv sind.

- Möglichkeit eigene Arbeiten, mit einem Typografie-Schwerpunkt einzureichen und vom Autorenteam besprochen zu bekommen.

- Ab und an Verlosungen von Büchern oder ähnlichem anbieten, jedoch mit einem »Auftrag« verbunden. Z.B. verlost man x Exemplare von Buch »XY« und zwar unter allen Usern, die kurz ihr Lieblingsbuch kommentiert vorstellen oder bestimmte Websites als Link vorschlagen und kommentieren.

- Als Moderatoren nicht nur Profis gewinnen, sondern auch Azubis oder erst kürzlich ausgelernte MGs, damit die Angst vorm Austauschen etwas genommen wird. So kann eine Situation wie unter 1.1. dargestellt vermieden werden.

- Auch eine Möglichkeit anbieten, dass Azubis u.a. Fragen per Mail stellen können , die sie beantwortet bekommen und die Antworten dann im Blog auch veröffentlicht werden. Also so etwas wie »Dr. Typo«/Erste-Hilfe-Mail. Keiner muss Angst vor Blamage haben.

- Wenn es gut anläuft, auch mal ein reales Meeting der Community anbieten, wo man sich live trifft und sich austauschen kann.

 

Kommentare

Hallo Community, folgende Überlegungen entstanden bei mir beim Lesen des Konzeptentwurfs von Peter Reichard: 1. Die Ideen zu Typografie erscheinen mir sehr einseitig auf Schrift konzentriert. Typografie ist deutlich mehr als das (zumindest sollte es so sein), aber das wird m.E. kaum kommuniziert. 2. Ich hatte vor dem Studium immer den (subjektiven) Eindruck gehabt, dass es unheimlich viele MG-Plattformen für junge Menschen gibt, aber wenig professionelle Austauschmöglichkeiten für Menschen, die schon länger tätig sind und tiefergehende Fragen diskutieren wollen. 3. Eine generelle Vorstellung von Forenteilnehmern halte ich für zuviel des Guten. Das würde mich abschrecken. Hier fände ich eine Lösung sinnvoller, wo Angaben zum beruflichen Werdegang fakultativ freigeschaltet und bei Bedarf abgerufen werden können. Viele Grüße Heike Rose
Hallo Frau Rose, vielen Dank für Ihre Überlegungen zum Konzept-Vorschlag für die Typo-Community. Wie man Typografie definiert bzw. einschränkt, um nicht am Ende eine Gleichsetzung von Typografie und Gestaltung zu haben, ist eine lange Debatte und nicht so einfach zu beantworten. Wobei die Themen auch nur als Einstieg gedacht waren, die – hoffentlich – durch die späteren User-Interessen sich erweitern werden. Was die Austauschmöglichkeiten angeht, so gibt es aus meiner Erfahrung einige professionelle Plattformen wie etwa Typografie.info, typophile.com, slanted.de, fontblog.de, ilovetyypography.com etc. Jedoch finden sich dort nur eher selten die »klassischen« MGs ein, da in der Regel ein sehr hohes Niveau an Vorwissen voraussetzt, diese Debatten zu verfolgen. Anderseits beschränken sich bei den MG-Plattformen die Rubriken Typografie meist darauf sich mit Fragen wie »Was ist das für eine Schrift?« zu beschäftigen. Und genau dazwischen sehe ich das Potential dieser Typo-Community im Rahmen von mc 2.0. Was die Vorstellung in Foren angeht, so könnte man ja dies mit einander kombinieren. Einen offenen Bereich und einen Bereich mit Anmeldung, für diejenigen, die nicht nur vorrangig konsumieren, sondern auch dauerhaft auf der Plattform mitarbeiten möchten. Viele Grüße Peter Reichard