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The Great Online Learning Reset?
Philippa Hardman nimmt sich in ihren Wochenbeiträgen immer Zeit und Raum, um ein Thema gründlich durchzuspielen. Hier geht es ihr um die Frage, was es für klassische Online-Kurse bedeutet, wenn sie auch von Agenten-basierten KI-Tools erfolgreich bearbeitet werden können: „These AI agents don’t just assist learners, they autonomously complete courses by responding to questions, submitting assignments and even contributing meaningfully to online discussions.“
Diese Entwicklung, so Philippa Hardman, legt das offen, was alle längst wissen: „… the traditional „content + quiz“ model of asynchronous learning is fundamentally broken“. Im Beitrag schildert sie ausführlich, warum die klassischen Online-Kurse noch nie funktioniert haben. Im Zentrum ihrer Argumente steht dabei die Trennung von Lern- und Arbeitsprozessen, von theoretischem Wissen und praktischer Anwendung. Anschließend geht sie darauf ein, wie beide Welten näher zusammengebracht werden können und welche Rolle KI dabei spielen kann.
Zusammengefasst: „Instead, the future lies in redesigning online learning around real-world skill application, authentic competency assessment and continuous reinforcement. This means moving beyond static, content-driven models toward AI-powered, workflow-integrated learning ecosystems that ensure knowledge is not just consumed, but actively used and refined in real work contexts.“
Philippa Hardman, Dr Phil’s Newsletter, 13. März 2025
Innovatives Handwerk als Vorbild für den Einsatz von Technologie und KI
Am 27. Februar war Christoph Krause (aka Servicerebell) Gast im CLC Lunch&Learn und hat einen Impuls zum Thema „Innovatives Handwerk als Vorbild“ gegeben. Gastgeber Joachim Niemeier hat den Vortrag (mit KI-Unterstützung) jetzt zusammengefasst und anschließend gleich ein GPT damit „gefüttet“. Das kann man jetzt weiter befragen: „Aufbauend auf dem Impulsbeitrag von Christoph können wir im Dialog mit der KI noch viel mehr über die Zukunft der digitalen Transformation im Handwerk erfahren. Dazu wird das Format „Kuratierte Exploration“ genutzt.“
Stichworte der Zusammenfassung lauten u.a. „Herausforderungen im Handwerk“, „Rolle der Künstlichen Intelligenz (KI)“ und „Praxisbeispiele für Innovationen im Handwerk“. Als Teilnehmer am CLC Lunch&Learn kann ich aber nur empfehlen, einmal Christoph Krause live zu erleben …
Joachim Niemeier, Corporate Learning Community/ Blog, 19. März 2025
Bildquelle: Joachim Niemeier
Lesetipps zu XR in der Hochschullehre
Die Redaktion von e-teaching.org schreibt: „Im aktuellen e-teaching.org-Themenspecial dreht sich alles um „Extended Reality (XR) in der Hochschullehre“. Passend dazu haben wir die beteiligten Expertinnen und Experten um Lektüreempfehlungen gebeten: Welche Grundlagenliteratur zu Virtual Reality (VR), Augmented Reality (AR) und Mixed Reality (MR) bietet einen guten Einstieg ins Thema? Wo kann man mehr über VR Use Cases in der Lehre erfahren? Und was sollte man unbedingt gelesen haben?“
Die kommentierte Liste umfasst Grundlagenwerke, Use Cases, Rahmenmodelle und Gestaltungsprinzipien und könnte auf den ersten Blick nicht nur für Hochschullehrende interessant sein.
mkehrer, e-teaching.org, 18. März 2025
Complete L&D Content Curation Toolkit
Dieses Toolkit enthält sehr (!) viele Informationen und Checklisten, die in zahlreichen Aufzählungen präsentiert werden. Das zur Vorwarnung. Etwas Ordnung schafft das „CURATED Model“ des Autors, „a Framework for Effective Content Curation“. Es umfasst die Arbeitsschritte „Conceptualize“, „Uncover“, „Research“, „Assemble“, „Transform“, „Elevate“ und „Discuss“. Sie werden im Beitrag ausführlich vorgestellt und von weiteren Informationen flankiert: von der Bedeutung von Content Curation bis zur Rolle des Curators. Ob man sich auf die Evaluationsvorlagen für einzelne Fundstücke einlassen will, muss jede/r selbst entscheiden. Aber die Hinweise auf verschiedene Tools, die bei der Suche, aber auch bei der Präsentation des Contents helfen können, sind nützlich.
„Content curation in Learning & Development is the strategic process of gathering, evaluating, organizing, and sharing the most relevant learning resources for your organization’s specific training needs. Rather than creating all content from scratch, effective curation identifies high-quality existing materials and thoughtfully integrates them into your learning programs.“
Quelle: Mike Taylor
Selbstgesteuertes Lernen & KI
Diese kleine Handreichung fasst einige Grundlagen und Empfehlungen zusammen. Dazu gehört eine Aufzählung der wichtigsten Merkmale des selbstgesteuerten Lernens. Sie leitet über zu den Herausforderungen einer „unreflektierten Nutzung“ von KI-Tools, bevor auf die Potenziale der KI hingewiesen wird. Um sie zu nutzen, so Yvonne Konstanze Behnke, braucht es Kompetenzen, auf Seiten der Lehrenden wie der Lernenden. Die Handreichung schließt mit einigen Empfehlungen und einem Fazit.
Der Schlusssatz: „Wer selbstgesteuertes Lernen gut beherrscht, meistert informelles Lernen besser und ist auf lebenslanges Lernen vorbereitet. Learning Professionals sind eine wichtige Unterstützung – als Coach, Mentor und Entwickler wirksamer Lernkonzepte.“ Vielleicht hätte ein kurzes Alltagsbeispiel die Aufzählungen etwas auflockern können …
Yvonne Konstanze Behnke, DIGITAL PUBLISHING REPORT (dpr E-Learning), März 2025 (via LinkedIn)
Aufruf zur Teilnahme am CLC-Buchprojekt!
Auf dem Blog der Corporate Learning Community habe ich diesen Aufruf veröffentlicht. Wer Interesse hat mitzumachen, meldet sich bitte bis zum 26. März!
„Letzte Woche auf dem Corporate Learning Camp in Hamburg habe ich die Idee bereits vorgestellt und mit Interessierten diskutiert. Kurz: Wir wollen ein Buch über die Corporate Learning Community schreiben und veröffentlichen. Damit auch die, die nicht auf dem BarCamp sein konnten, die Gelegenheit haben, hier mitzumachen, fasse ich die Idee noch einmal kurz zusammen: …“
Jochen Robes, Corporate Learning Community/ Blog, 18. März 2025
Künstliche Intelligenz für die persönliche Wissensarbeit (WMOOC)
Der Vortrag ist schon über ein Jahr alt, und die Referentin, Barbara Geyer (Hochschule Burgenland), hat seitdem weiter zum Thema KI publiziert (hier der Link zu ihrem Blog/ Newsletter „KI in Lehre und Weiterbildung“). Ich bin diesem Überblick trotzdem mit Gewinn gefolgt: zum einen, weil ich mir einige KI-Tools im Wissenschaftskontext notiert habe; zum anderen, weil sie zwei interessante Übersichten zur Schnittstelle von KI und Wissensmanagement mitgebracht hat, die ich noch nicht kannte.
Warum die OER World Map für das nationale und globale Lernen wichtig ist
Auch wenn ich das Thema „Open Educational Resources“ in den letzten Wochen nicht mehr verlinkt habe: Es ist natürlich nach wie vor da und hat vielleicht an Aufmerksamkeit, aber nichts an Bedeutung verloren. Von daher ist dieser Artikel über die OER World Map ein guter Anlass, hier eine Lücke zu schließen. Der Beitrag ordnet die OER World Map in die OER-Strategie des BMBF ein (ja, die gibt es wirklich!) und verknüpft sie mit anderen Aktivitäten wie OERinfo. Dann wird sie als „offene Plattform zur Selbstvernetzung“ (die Teilgebenden tragen sich mit ihren Projekten selbst auf der Map ein) näher vorgestellt.
„Die OER World Map hilft dabei herauszufinden, wer was macht und wo OER-Wissen, -Materialien, -Expertise, -Ideen und -Maßnahmen zu finden sind. Der Blick auf die Vielfalt der vielen weltweiten OER-Angebote schafft Transparenz, inspiriert, ermutigt und ermöglicht Vernetzung – vor allem auch über interessegeleitetes und zielgerichtetes Suchen. Damit ist die OER World Map ein wichtiger Baustein der „lernenden“ OER-Strategie des BMBF.“
Detlef Reuter und Katja Stamm, OERinfo, 4. März 2025
Bildquelle: Angela Karnoll
Lebenslanges Lernen in Zeitenwenden: Überlebensstrategien für eine Welt im Umbruch
Anja C. Wagner (FROLLEINFLOW) hatte uns auf dem CLC BarCamp in Hamburg schon einen Vorgeschmack auf diese Präsentation gegeben (sie nannte es Version 0.8). Jetzt hat sie die Version 1.0 nachgelegt. Sie beginnt mit einer Analyse der aktuellen weltpolitischen Lage: von der neuen Weltordnung, den neuen Machtblöcken bis zu den Visionen der Tech-Bros und MAGA-Bewegung in den USA. Welche Konsequenzen haben diese Veränderungen für Europa? Anschließend nimmt sie das KI-Rennen zwischen den USA und China ins Bild auf.
Der nächste Absatz ist der „Meta-Kompetenz“ Lebenslanges Lernen gewidmet. Hier sieht sie vier, wie sie es nennt, „Zukunftsfitness-Stufen“: Kognitiver Innovationswillen, Technologische Kompetenz, Soziale Intelligenz und Adaptives Handeln. „Diese Kompetenzen ermöglichen es Individuen und Organisationen, in einer Welt zunehmender Polarisierung und technologischer Disruption handlungsfähig zu bleiben“, heißt es. Sie werden anschließend näher beschrieben.
Im dritten Teil ihres Modells – ich überspringe einige Folien, die noch einmal Europa und seine Stärken aufnehmen – geht es um die Schlussfolgerungen, die sich aus der Analyse ergeben („Und nun?“). Hier sind die Hinweise etwas offener und allgemeiner. Es gibt kurze Empfehlungen für „motivierte Lernende“, für „organisatorisches Lernen“ (von „Learning Ecosystems“ bis „Learning Sabbaticals“), bevor das Bildungssystem als Ganzes adressiert wird. Am Ende schließt sich der Kreis: „Lebenslanges Lernen als Überlebensstrategie“.
Wie immer gilt: Für die Details bitte dem Link zur Quelle folgen!
„In einer Welt, die von technologischen Umbrüchen, geopolitischen Spannungen und gesellschaftlichen Transformationen geprägt ist, gewinnt lebenslanges Lernen eine völlig neue Dimension. Die aktuellen Zeitenwenden, markiert durch den Aufstieg neuer Technologien und Machtverschiebungen, stellt sowohl Individuen als auch Unternehmen vor beispiellose Herausforderungen.
Mit dieser Präsentation suchen wir danach, was lebenslanges Lernen heute bedeuten müsste, welches Kompetenz-Portfolio in diesen Transformationszeiten wirklich relevant ist und wie wir uns für eine Zukunft wappnen, in der die Karten gerade neu gemischt werden.“
Anja C. Wagner, FROLLEINFLOW, 16. März 2025
Bildquelle: Anja C. Wagner
Die Zukunft der beruflichen Weiterbildung. Szenarien und Handlungsempfehlungen für einen innovativen, digitalen Weiterbildungsraum 2035
Im Rahmen des Innovationswettbewerbs INVITE (Digitale Plattform berufliche Weiterbildung, 2021 – 2025) ist eine Reihe von Dossiers entstanden, die die Themen und Ergebnisse der INVITE-Projekte aufbereiten und für Interessierte der beruflichen Weiterbildung zur Verfügung stellen. Im Projekt INVITE-Meta werden diese Aktivitäten gebündelt. Dazu gehört auch die vorliegende Darstellung von fünf Szenarien, die verschiedene Perspektiven auf das berufliche Lernen im Jahr 2025 anbieten.
Die Szenarien – entwickelt in Umfragen und Workshops mit Projektbeteiligten und Expert:innen – leuchten die Themen „Kompetenzorientiertes Matching & Recommendersysteme“, „Personalisiertes Lernen mit Learning Analytics und Lernpfaden“, „KI-gestützte, virtuelle Lernbegleiter“, „Interoperabilität und Vernetzung“ und „Digitale Nachweise“ aus. Jedes Szenario wird vorgestellt, mit INVITE-Projekten verknüpft, mit Fallbeispielen ausgeführt und schließt mit einer Aufzählung empfehlenswerter Maßnahmen zur Verwirklichung des jeweiligen Szenarios.
Zwei kurze Eindrücke: Über allen Szenarien stehen die Stichworte „Personalisierung“ (der Angebote, des Lernens) und Künstliche Intelligenz. Im Unterschied zu anderen Handlungsfeldern der Bildung (Schule, Hochschule) ist jedoch zu berücksichtigen, was die Autor:innen auf der letzten Seite des Dossiers vorsichtig anführen: „Solange also der berufliche Bildungsmarkt nicht ebenfalls „verstaatlicht“ wird, werden Visionen einer vernetzten, interoperablen und für alle frei zugänglichen beruflichen Bildungswelt – trotz ihrer technischen Machbarkeit – wenig wahrscheinlich.“ (S. 34)
„In fünf Szenarien für unterschiedliche Phasen von beruflichen Weiterbildungsprozessen haben wir
umrissen, wie das berufliche Lernen und Lehren im Jahr 2035 aussehen könnte. Dabei hat sich gezeigt,
dass generative KI integraler Bestandteil der Szenarien ist:
- KI-gestützte Weiterbildungsplattformen und -angebote mit Recommendersystemen erfassen
durch Gespräche mit multilingualen Chatbots Kompetenzen, Interessen und Lernziele von
Weiterbildungssuchenden, empfehlen passende Kurse und fördern das kollaborative Lernen
durch gezielte Vernetzung von Lernenden. - Selbstgesteuertes, personalisiertes Lernen wird durch Learning Analytics gefördert, indem
individuelle Bildungsbedarfe und -ziele aus dem beobachteten Lernverhalten diagnostiziert und
die folgenden Lerninhalte entsprechend zusammengestellt und – auch mittels generativer KI –
vorgeschlagen werden. - Nach persönlichen Präferenzen leicht konfigurierbare KI-Assistenten begleiten und unterstützen Lernende in allen Phasen der Weiterbildung, indem sie den Dialog an die Bedarfe,
Stärken und Schwächen der Lernenden anpassen und dabei auch alle bisherigen Weiterbildungsteilnahmen und -nachweise berücksichtigen. - Interoperabilität und Vernetzung von Lernplattformen werden durch ein geteiltes Set offener
Standards, APIs, KI-Technologien, KI-gestützt erstellte Metadaten, Blockchain-basierte
Bildungsnachweise und dezentrale Lernnetzwerke realisiert. So werden – unter Einhaltung von
Datenschutz und globalen Bildungsnormen – der Informationsaustausch erleichtert und eine
universelle Anerkennung von Bildungsleistungen gewährleistet. - Digitale, mehrsprachige Bildungsnachweise dokumentieren die nachweisbar erworbenen
Kompetenzen in maschinenlesbaren und für Menschen – auch KI-gestützt – aufbereiteten
Formaten.“ (S. 33)
Linkedin für Communities nutzen mit Sandra Richter und Oliver Ewinger
Alle weinen Twitter hinterher. Auch in diesem Podcast. Aber dann schütteln sich Sandra Richter, Oliver Ewinger und Gastgeber Simon Dückert schnell, tauschen ihre aktuellen Erfahrungen mit verschiedenen Plattformen aus (Mastodon!?) und überlegen anschließend, wie man LinkedIn gezielt für das Community Management nutzen kann. Ihre „Spielfelder“ sind die Corporate Learning Community und die lernOS Convention. Stichworte der Diskussion sind die Vor- und Nachteile der verschiedenen Profile, die man auf LinkedIn anlegen kann (Personen, Unternehmen, Gruppen), einzelne Features wie Newsletter, Events und Posts, die Untiefen der LinkedIn-Algorithmen und dabei immer wieder die Frage, wie man Menschen bzw. Mitglieder einer Community erreichen kann und wie bzw. wann sie sich engagieren. Als „Power User“ berichten Sandra Richter und Oliver Ewinger natürlich auch darüber, wie sie KI bzw. ChatGPT bei ihren Aktivitäten auf LinkedIn nutzen. 92 Minuten geballte Erfahrungen.
Simon Dückert, Gespräch mit Sandra Richter und Oliver Ewinger, lernOS on Air, 13. März 2025
D21-Digital-Index 2024/2025
Die Initiative D21 ist, so kann man es auf ihrer Webseite lesen, „Deutschlands größtes gemeinnütziges Netzwerk für die Digitale Gesellschaft“. Zu ihren Veröffentlichungen gehört auch der jährliche „D21-Digital-Index“, der anhand verschiedener Themen und Kennzahlen zeigen will, „wie tief die digitale Transformation verschiedene Lebensbereiche durchdringt und wie gut Bürger*innen mit den Anforderungen des Wandels umgehen können“.
Schwerpunkte der diesjährigen Ausgabe bilden in diesem Jahr die Themen „Digitale Gesellschaft“, „Künstliche Intelligenz“, „Digitale Bildung und Kompetenzen“, „Digitale Wertschöpfung“, „Digitaler und grüner Wandel“ sowie „Information und Kommunikation“. Die Ergebnisse werden wie immer in verschiedenen Formen präsentiert: als Studie (pdf, 42 S.), in Summaries, Expert:innen-Interviews und separaten Schaubildern.
Beim Stichwort „Digitale Bildung und Kompetenzen“ heißt es: „Nur 49 % verfügen über digitale Basiskompetenzen. Eine umfassende digitale Kompetenzoffensive ist notwendig, um ambitionierte Fortschritte zu erzielen und das weit entfernte EU-Ziel von 80 % bis 2030 zu erreichen.“
Weitere Kapitelmarken in diesem Themenbereich lauten „Schulbildung“, „Lebenslanges Lernen bleibt Manko“, „Formales Lernen unterschätzt“ und „Deutschland verfehlt Kompetenzziele“. Die präsentierten Ergebnisse sind oft etwas allgemein und beruhen auf Interviews und Befragungen. Aber ich nutze sie gerne als Einstieg in ein Thema oder in eine Diskussion.
Initiative D21, 10. März 2025
A Revolution In Corporate Learning Begins, Join Us On The Journey
Dieser Artikel ist ein dreifacher Aufruf („join us!“): an einer Umfrage teilzunehmen, eine Konferenz zu besuchen, sich an der Academy des Autors anzumelden. Aber das kommt alles, Gott sei Dank, erst am Schluss. Bis dahin ist es wieder eine interessante Standortbestimmung von Josh Bersin, der mit der Dringlichkeit des Themas einsteigt: „We’ve entered a skills-based economy“!
Doch dann holt er Luft und beschreibt die Schwierigkeiten aller Beteiligten, auf diese Beobachtungen schnell und zielgerichtet zu reagieren. Vor allem eine in die Jahre gekommene Infrastruktur aus Plattformen, Technologien und Kursen, wenig attraktiv für Bildungsmanager:innen wie Lernende, ist zu beklagen („complex“).
„Yet despite many new ideas, as I look back over time the progress has gone sideways. I remember e-learning courses we developed in the early 2000s which were more fun and exciting than many I view today. Somehow, despite all these ideas, many L&D programs are under-utilized and content vendors still struggle to survive.“
Doch jetzt kommt Künstliche Intelligenz und verspricht, den Stau aufzulösen. Wenn denn alle um die Vorteile und Möglichkeiten wissen. Hier kommen jetzt die eingangs geschilderten Aufrufe ins Spiel …
KM Toolbox
Ich verlinke diesen kleinen Werbeflyer von Cogneon („Knowledge Management Excellence (KME)“), weil mich die Toolbox interessiert hat – als Übersicht (Welche Wissenmanagement-Tools sind hier erfasst?) und als Visualisierung (Was bringt die Anlehnung am Periodensystem?). Es ist vor allem die Zuordnung der Tools zu den Kategorien „Technik“, „Organisation“ und „Mensch“, die an vielen Stellen etwas holprig wirkt. Warum zum Beispiel zählen BarCamps zur „Organisation“ und Communities of Practice zu „Mensch“?
Aber das sind Kleinigkeiten. Ich könnte mir sogar vorstellen, dass die Toolbox einen schönen Einstieg darstellt, um sie einem Workshop-Format zu diskutieren und gegebenenfalls zu erweitern. Was gehört noch in die Toolbox? Welche Zuordnungen machen Sinn? Und gibt es noch alternative Kategorien, um die Toolbox zu strukturieren?
Corporate Learning im KI Zeitalter: Von ChatGPT zur intelligenten Lernbegleitung
Daniel Stoller-Schai hat eine Menge in diesen Beitrag gepackt. Er beginnt mit einer interessanten Vorstellung von Personen, die seine Auseinandersetzung mit dem Thema KI, zum Teil in persönlichen Begegnungen, nachhaltig geprägt haben (u.a. Joseph Weizenbaum, Marvin Minsky, Henk Goorhois).
Es folgt ein Übergang zum Thema „Prompten“: Es werden Prompting-Leitsätze (4), Prompting-Prinzipien (26), Prompting-Dialoge, Prompting-Stufen (3 – von einfachen Prompts bis zu eigenen GPTs) vorgestellt. Dieses Kapitel schließt mit einem Tagebucheintrag aus dem Jahr 2030.
Im letzten Kapitel skizziert Daniel Stoller-Schai, was diese Entwicklung für Learning & Development, seine Aufgaben und Berufsbilder bedeutet. Er schließt mit sechs Thesen (die ich hier leicht gekürzt wiedergebe):
„1. Jede Person in L&D braucht KI-Kenntnisse. …
2. Nutzen was da ist und möglich ist, statt zu warten, bis alles bereitgestellt wird. …
3. Regulieren ist gut, kreative Erfahrungsräume schaffen ist besser. …
4. Alles, was automatisiert werden kann, wird automatisiert, auch im Bereich L&D. …
5. Es braucht mehr Zusammenarbeit zwischen L&D und IT, Rechtsabteilung, Produktentwicklung, Verkauf. …
6. Es braucht eine kritische Beurteilung: Wo ist der Einsatz von KI wirklich ein pädagogischer, finanzieller Gewinn und wo nicht? …“
Daniel Stoller-Schai, DIGITAL PUBLISHING REPORT (dpr E-Learning), November 2024 (via LinkedIn)
Theorie und Praxis in der Erwachsenenbildung
Das Zusammenspiel von Theorie und Praxis steht im Mittelpunkt der Ausgabe 54 des „Magazin erwachsenenbildung.at“, wieder unter einer CC-Lizenz und damit offen zugänglich (128 S.). Auf der Webseite heißt es: „Die Ausgabe beleuchtet das Theorie-Praxis-Verhältnis in der Erwachsenenbildung. Zwischen Theorieskepsis und der akademischer Kritik am Wunsch nach Rezeptwissen eröffnen die Autor*innen Perspektiven, wie eine erfolgreiche Verschränkung gelingen kann.“
15 Beiträge gibt es, aufgeteilt in die Rubriken „Thema“, „Standpunkt“, „Praxis“ sowie weitere kleine Bereiche. Das Spannungsverhältnis zwischen Theorie und Praxis bildet den Ausgangspunkt dieses Themenheftes. Wie es aufgelöst wird, kann ich (noch) nicht beurteilen. Aber die beiden Beiträge der Rubrik „Standpunkt“ von Lorenz Lassnigg und Stefan Vater habe ich mir schon einmal zur Lektüre herausgelegt.
Magazin erwachsenenbildung.at, Ausgabe 54, Februar 2025
Die neue literarische Öffentlichkeit
Lesen, Bildung und Lernen gehören (zumindest für mich) untrennbar zusammen. Deshalb habe ich mir einen kleinen Ausflug zum Merkur gegönnt, in dessen aktueller Ausgabe Gerhard Lauer suchend, aber wortreich den Strukturwandel der literarischen Öffentlichkeit beschreibt. Hier sein Einstieg:
„Die Frankfurter Buchmesse hat 2024 die mehr als 8000 Quadratmeter Ausstellungsfläche umfassende Eingangshalle 1.2 für eine Literatur reserviert, von der selbst in der Buchbranche viele bislang nicht so genau wussten, was das ist: Young Adult, New Adult, Romantasy, Sport Romance, Dark College. Die Verlage heißen hier Drachenmond und Sternensand, Wondaversum, Federherz oder Bücherbüchse, die Einbände sind gern in Gold, Blau oder Rosa gehalten, die Autorinnen sind jung und waren bis vor kurzem unbekannt, wie Sarah Sprinz oder Mona Kasten. Und sie reden viel über »tropes« und »shipping«. Über den jüngsten Regency-Trend oder Schulungen in »spicy« Schreiben wussten bis dahin eher Modezeitschriften, aber kaum ein Feuilleton Bescheid. Mit der Entscheidung, diesem sehr speziellen Segment so viel und zugleich einen derart prominenten Platz einzuräumen, folgte die Messeleitung keinen genuin literarischen, sondern letztlich ganz prosaischen Kalkülen. Sie reagierte damit zeitverzögert auf die Überfüllung der deutlich kleineren Halle 3 im Jahr zuvor, als Hunderte Fans stundenlang anstanden, um ein limitiertes Farbschnittexemplar zu kaufen, eine Lesung zu hören, Selfies mit den Stars aufzunehmen und Autogramme zu sammeln.“
Weiter ist die Rede von der „neuen literarischen Öffentlichkeit“ und von einer „Popindustrialisierung der Buchkultur“. Gerhard Lauer schreibt: „In dieser höchst lebendigen Bookishness-Öffentlichkeit scheinen nicht Argumente und Diskurse, sondern Gefühle sehr viel, manchmal fast alles zu sein.“ Und: „Was einst literarische Salons waren, ist jetzt BookTok.“ Diese neue, vor allem von jungen Leserinnen geprägte Öffentlichkeit ist fest mit den Möglichkeiten der digitalen Gesellschaft verbunden, sie ist dynamisch, offen, unübersichtlich und widersprüchlich.
Gerhard Lauer, Merkur, Heft 910, März 2025
Mensch und KI: Rollenverteilung und innovative KI-Unterstützung
Birgit Aschemann und Gunther Schüßler (CONEDU) präsentieren in dieser Aufzeichnung eines Online-Workshops drei Anwendungsfälle. Das Spektrum reicht „von persönlichen Feedback-Videos für Lernende mit KI-Unterstützung über den begleitenden Einsatz eines KI-Chatbots in Lehrveranstaltungen bis hin zu persönlichen Avataren in der Lehre“.
Wie immer sehr praxisnah und anschaulich und immer reflektierend, wie man diese KI-Tools (Loom, NotebookLM, ChatGPT) „sicher“ einsetzen kann. Der Workshop hat übrigens im Rahmen der Veranstaltung #digiPH8 stattgefunden. Auf der Website der Veranstalter sind weitere Aufzeichnungen zugänglich.
Redaktion/CONEDU, erwachsenenbildung.at, 24. Februar 2025
Bildquelle: CONEDU
Didaktische Handreichung zur praktischen Nutzung von KI in der Lehre
Eine weitere Handreichung zum Thema KI, dieses Mal von einer Arbeitsgruppe „Digitale Medien und Hochschuldidaktik“ der Deutschen Gesellschaft für Hochschuldidaktik (dghd) in Kooperation mit der Gesellschaft für Medien in der Wissenschaft (GMW). Im Mittelpunkt stehen 14 Use Cases für die Lehre, die in einem einheitlichen Format vorgestelklt werden. Sie reichen von 1. „Brainstorming“ bis 14. „Einsatz von KI-gestützten Charaktergenerierungstools zur Entwicklung von Personas“. Nützlich.
Arbeitsgruppe Digitale Medien und Hochschuldidaktik, GMW, 20. Oktober 2024 (pdf)
Hilfe holen beim selbstorganisierten Lernen: Vergleich GenKI – Expert:innen
Ich habe den Beitrag von Christoph Meier aus zwei Gründen mit Gewinn gelesen: zum einen erinnert er an das Einholen von Hilfe als eine wichtige Lernstrategie beim selbstgesteuerten bzw. selbstorganisierten Lernen; und zum anderen fasst er eine aktuelle Studie („Unpacking help-seeking process through multimodal learning analytics: A comparative study of ChatGPT vs Human expert“) zusammen, in der untersucht wurde, ob sich das Einholen von Hilfe durch die Verfügbarkeit von KI-Tools bzw. ChatGPT verändert. Und, ja, das Verhalten der beobachteten Studierenden unterschied sich, je nachdem, ob sie sich von einem menschlichen Experten oder von einer KI Unterstützung holen konnten. Dazu Christoph Meier: „Die Studienergebnisse reihen sich ein in Beobachtungen, wonach die Verfügbarkeit von Assistenzsystemen wie ChatGPT & Co zu “kognitiver Faulheit” im Lernprozess führen kann.“
Christoph Meier, LinkedIn/ Pulse, 19. Februar 2025
Quelle: A. Chen u.a. (2025): Unpacking help-seeking process through multimodal learning analytics …